Wie fischertechniker zu Zoologen werden.

Jedes Jahr Ende Januar beginnen unter fischertechnikern die Spekulationen, mit welchen Neuigkeiten fischertechnik wohl im neuen Jahr die Kunden überrascht – denn Anfang Februar findet die Spielwarenmesse in Nürnberg statt, auf der Hersteller ihren Händlern alle Neuerungen präsentieren. Bis die Produkte auch für die Kunden erhältlich sind, dauert es dann meist noch eine Weile – erst müssen die Händler bestellen, dann wird produziert und geliefert. Die Händler haben die neuen Produkte dann meist pünktlich zum ersten „Zwischenhoch“ des Jahres im Schaufenster: einige Wochen vor Ostern.

fischertechniker müssten sich also normalerweise bis März gedulden – aber Geduld ist, außer in der glückseligen „Bau-Flow“-Phase, keine hervorstechende Charaktereigenschaft von fischertechnikern, insbesondere wenn es um Kästen oder Teile geht, die sie haben müssen. Was tun? Statt mit den Hufen zu scharren bemüht der fischertechniker Tastatur und Suchmaschine und findet – die ersten Pressemitteilungen. Zarte Andeutungen im Text und das eine oder andere erste Produktfoto befeuern dann die Spekulationen: Welches Teil kommt neu ins Sortiment? Wie lassen sich die neuen Kästen in das eigene kleine fischertechnik-Universum integrieren? Und: Was werden Harald und alle anderen „Kaulquappensucher“ wieder aus diesen Teilen herausholen?

In diesem Jahr zaubert fischertechnik etwas gänzlich Ungewohntes aus dem Hut: einen Baukasten wilder Tiere. Von einem kursierte bereits Ende Januar ein Foto aus der Pressemitteilung – ein giftgrüner Skorpion. Und wenige Wochen später gibt es bereits ein Modell von Kali aus dem fischertechnik-Designer.

Nun ist die Idee nicht ganz neu – Rudi hat in der ft:pedia 1/2021 bereits mit seinen Spinnen und Skorpionen begeistert.

Skorpion (und Foto) von Rüdiger Riedel (2021)

Und Richard hat schon vor gut sechs Jahren eine Bauanleitung für ein fischertechnik-Skorpion veröffentlicht.

Skorpion (und Foto) von Richard (ca. 2015)

Aber es steht außer Frage, dass das fischertechnik-Modell gelungen ist – und dass fischertechnik pfiffige Ideen der Fans aufgreift und weiterentwickelt, ist ebenfalls erfreulich. Allerdings hat fischertechnik unterschätzt, wie schnell fischertechniker zu Zoologen werden, wenn es darauf ankommt. Wenige Tage nach Veröffentlichung der Pressemitteilung war klar, dass fischertechnik zoologisch „gepatzt“ hat: Ein Skorpion ist ein Gliederfüßler mit vier Beinpaaren. Ein genauer Blick auf die Vorbilder der fischertechniker hätte geholfen… Jedenfalls erwarten die fischertechniker jetzt gespannt, wie viele Beine die Spinne, die Eidechse, die Katze und das Pferd haben werden, die ebenfalls in dem Baukasten enthalten sein sollen.

Immerhin konnte fischertechnik vor wenigen Tagen einen beachtlichen Erfolg vermelden: Der Baukasten gewann den „Toy Award 2022“ in der Kategorie „Sustainability“ – die Bausteine bestehen zu 60% aus nachwachsenden Rohstoffen. Eine verdiente Auszeichnung – denn die Bausteine halten zudem über 50 Jahre, wie alle erfahreneren fischertechniker unter uns mit grauen Klötzchen in der Sammlung bezeugen können. Zum Glück saßen offenbar weder Zoologen noch Mathematiker in der Jury…

Toy Award 2022 für den Baukasten „Animal Friends“ in der Kategorie „Nachhaltigkeit“

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