Welche Hebewerke fischertechniker zum Träumen bringen.

Bis weit ins 20. Jahrhundert waren Wasserstraßen die mit Abstand effizienteste Möglichkeit für den Transport von Gütern – heute kaum mehr vorstellbar. Dafür wurden jahrhundertelang Flussläufe „domestiziert“: durch Begradigung verkürzt und durch Schleusen verlangsamt. Schon früh kam die Idee auf, Flusssysteme durch Kanäle miteinander zu verbinden, um Transportwege zu verkürzen und weitere Regionen zu erschließen. Viele Ansätze scheiterten jedoch an den damaligen technischen Möglichkeiten.

Der älteste, heute noch schiffbare und mit 1.782 km Länge zugleich längste Kanal der Welt ist der Kaiserkanal in China, begonnen 485 v. Chr. und fertiggestellt im Jahr 1290 n. Chr. In Frankreich wurden ab dem 17. Jhd. zahlreiche Kanäle gebaut, die vor allem den nordöstlichen Teil Frankreichs durchziehen und heute ein Netz von 8.500 km schiffbarer Wasserstraßen bilden. Und in Deutschland ergänzen seit Anfang des 17. Jhd. Kanäle die Flussschifffahrt (Rhein, Elbe, Main, Spree, Weser, Havel, Aller, Mosel, Donau und Neckar) zu einem Binnenschifffahrtsnetz von heute 7.350 km Länge.

Die größte Herausforderung bei der Verbindung von Flusssystemen bestand in der Überwindung der Wasserscheiden. Meist wurde das durch zahlreiche Schleusen bewältigt. Allerdings haben Schleusensysteme an Wasserscheiden das Problem, dass der höchstgelegenen Schleuse ständig neues Wasser zugeführt werden muss. Außerdem sind Schleusen nur sehr langsam schiffbar und verringern dadurch den Nutzen einer Wasserstraße erheblich.

Daher wurden im 19. und 20. Jhd. zur Überwindung größerer Höhenunterschiede Schiffshebewerke gebaut – Aufzüge für Schiffe, mit denen größere Höhen in deutlich kürzerer Zeit bewältigt werden können. Drei der beeindruckendsten dieser Hebewerke schreien geradezu nach einer Konstruktion aus fischertechnik.

Zum ersten das (alte) Schiffshebewerk in Niederfinow, dessen „Schiffsbadewanne“ seit 1934 beeindruckende 37 m Höhenunterschied ausgleicht, und so aussieht, als sei es für fischertechnik entworfen worden.

Schiffshebewerk Niederfinow (Foto: Avda, CC-BY-SA 3.0)
Aus: Broschüre des Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde (2005)

Auch in Hamburg kann man das Hebewerk bestaunen – als Modell im Miniaturwunderland…

Zum zweiten der Schrägaufzug von Arzviller, in dessen Wanne die Schiffe in rund 20 Minuten einen Höhenunterschied von 44,5 m über eine 41%ige Steigung bewältigen – ein äußerst beeindruckendes Erlebnis. Der Energieaufwand ist minimal, da zwei 900 t schwere Gegengewichte das Wannengewicht ausgleichen.

Und zum dritten ist da noch das schottische Hebewerk in Falkirk, das den Höhenunterschied zweier Kanäle von 33,5 m mit einer äußerst futuristischen Konstruktion ausgleicht, die 2002 ihren Betrieb aufnahm.

Falkirk-Wheel (Foto: J. Miers, CC-BY-SA 1.0)

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